HMSN
(hereditäre motorische und sensorische Neuropathie;
|
| Erkrankung | Genort | Vererbung | Mutationsart | Protein |
| CMT 1A | 17q11.2 | AD | Duplikation (98%) | PMP 22 |
| CMT 1A | 17q11.2 | AD | Punktmutation (2%) | PMP 22 |
| HNPP | 17q11.2 | AD | Deletion (80%) | PMP 22 |
| HNPP | 17q11.2 | AD |
Punktmutation /
kleine Deletion (20%) |
PMP 22 |
| CMT 1B | 1q22 | AD | Punktmutation | MPZ |
| CMT 1C | 16p13.1 – p12.3 | AD | Punktmutation | SIMPLE |
| CMT 1D | 10q21.1 – q22.1 | AD | Punktmutation | EGR2 |
| CMT 1E | 1q22 | AD | MPZ | |
| CMT 1F | 8p21 | AD | Leichtketten- Neurofilament |
| CMT 2A | 1p36.2 | AD | Punktmutation | KIF 1B |
| CMT 2A | 1p36.2 | AD | Punktmutation | MFN2 |
| CMT 2B | 3q21 | AD | Punktmutation | RAB 7 |
| CMT 2C | 12q23-24 | AD | Punktmutation | ? |
| CMT 2D | 7p15 | AD | Punktmutation | GARS |
| CMT 2E | 8p21 | AD | Punktmutation | NEFL |
| CMT 2F | 7q11 – 21 | AD | Punktmutation | HSP 27 |
| CMT 2G | 12q12 | AD | ||
| CMT 2I | 1q22 | MPZ | ||
| CMT 2J | 1q22 | MPZ | ||
| CMT 2L | 12q24 |
| CMT 4A | 8q13 – q21.1 | AR | Punktmutation | GDAP 1 |
| CMT 4B1 | 11q22 | AR | Punktmutation | MTMR 2 |
| CMT 4B2 | 11p15 | AR | Punktmutation | SBF 2 |
| CMT 4C | 5q32 | AR | Punktmutation | ? |
| CMT 4D | 8q24.3 | AR | Punktmutation | NDRG 1 |
| CMT 4E | 10q21.1 – q22.1 | AR | Punktmutation | EGR 2 |
| CMT 4F | 19q13.1 – q13.2 | AR | Punktmutation | PRX |
| CMT X | Xq13.1 | X-geb. | Punktmutation, selten Deletion | GJB 1 |
Bei der Beschreibung des Genortes bezeichnet bei 17q11.2-12 beispielsweise die 17 die Nummer des Chromosoms, „q“ steht für den langen Arm des Chromosoms, „p“ für den kurzen. Die Zahlen dahinter benennen die Region auf dem Bei der Beschreibung des Genortes bezeichnet bei 17q11.2-12 beispielsweise die 17 die Nummer des Chromosoms, „q“ steht für den langen Arm des Chromosoms, „p“ für den kurzen. Die Zahlen dahinter benennen die Region auf dem jeweiligen Arm des Chromosoms. Das Produkt des Gens jeweils ist ein Eiweiß, dessen Name in der letzten Spalte zu finden ist.
Bedeutung der Abkürzungen:
| AD | Autosomal dominant |
| AR | Autosomal rezessiv |
| CMT | Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung |
| HNPP | Vererbliche Neuropathie mit Neigung zu Drucklähmungen |
| MPZ | Myelin Protein Zero (auch Myelin Protein 0) |
| PMP 22 | Peripheres Myelin Protein 22 |
HMSN: Medikamentöse Therapie–Aussichten
Eine
sicher wirksame medikamentöse Therapie der HMSN ist bislang nicht bekannt.
Langsam zeichnen sich aber medikamentöse Optionen ab. Sereda und Mitarbeiter
aus der Arbeitsgruppe von Professor Nave, Max-Planck-Institut für experimentelle
Medizin in Göttingen, zeigten in einem Tiermodell der HMSN 1A (CMT 1A), dass
durch Progesteron, ein Sexualhormon, die Menge an PMP 22 (Peripheres Myelin
Protein 22) in einem Nerven erhöht wird und damit auch die krankhaften
Veränderungen am Nerven stärker ausgeprägt sind. Durch Onapristone, einen
Progesteron-Rezeptor-Antagonisten, also eine Substanz, die der Wirkung des
Progesterons am Rezeptor entgegenwirkt, konnte dagegen eine Verminderung der
Menge an PMP 22 und auch eine Verminderung der krankhaften Veränderungen am
Nerven erreicht werden. Hier kann sich für die HMSN 1A eine wirksame Therapie
für die Zukunft abzeichnen. Zunächst sind Langzeit-Untersuchungen mit
Progesteron-Antagonisten vorgesehen. Dann muss neben der Frage der Wirksamkeit
beim Menschen insbesondere aber auch die Frage möglicher Nebenwirkungen beim
Menschen überprüft werden. Anders herum betrachtet ist die Einnahme von
Progesteron für Patienten mit CMT 1A wahrscheinlich nicht günstig. Weitere
Informationen finden Sie auf der Internet-Seite des Max-Planck-Instituts für
experimentelle Medizin:
www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2003/pressemitteilung20031202/
Eine andere in Zukunft möglicherweise zum Einsatz kommende Behandlung ist die Gabe von Ascorbinsäure (Vitamin C). Passage und Mitarbeiter haben im Jahr 2004 im Maus-Modell der CMT 1A mit hohen Dosen eine Minderung der PMP 22-Spiegel und Verbesserung der Myelinisierung der Nervenfasern gezeigt. Zuerst hatten die Untersucher eine Gruppe von Mäusen mit CMT 1A für die Dauer von drei Monaten einmal in der Woche mit 1,12 mg Vitamin C für eine Maus mit einem Gewicht von 20 g behandelt. Eine zweite Gruppe erhielt kein Vitamin C. Zu Beginn der Behandlung waren die Tiere 2 und 4 Monate alt, die Erkrankung tritt bei den Tieren in einem Alter von einem Monat auf. Bewegungsaufgaben konnten am Ende der Behandlungszeit die behandelten Mäuse wesentlich besser durchführen als die unbehandelten. Messungen des Proteins PMP 22 zeigten, dass die krankhaft verstärkte Produktion dieses Eiweißes unter der Gabe von Vitamin C deutlich vermindert war. Hier werden in naher Zukunft größere Untersuchungen beim Menschen erwartet, die dann je nach Ergebnis auch rasch in Therapieempfehlungen münden könnten.
Tierversuche ergaben Hinweise, dass auch der Einsatz von Kreatin sich günstig auswirkt. Die Substanz ist für den Energiestoffwechsel der Muskeln wichtig. Es wird schon lange eingesetzt als Nahrungsergänzung von Sportlern, um damit die maximale Leistungsfähigkeit des Muskel zu verlängern und die Erholungszeit nach Anstrengung zu verkürzen. In der letzten Zeit konnte das Präparat auch bei neuromuskulären Erkrankungen positive Effekte zeigen. Neben den Wirkungen auf den Muskelstoffwechsel zeigt es zumindest tierexperimentell schützende Effekte auf Nervenzellen. Bei der HMSN konnte durch Kreatin in Studien allerdings bislang keine Wirkung gezeigt werden. Wenn dennoch ein Einsatz von Kreatin ausprobiert werden soll, ist die Substanz mit reichlich Flüssigkeit (mindestens 2 Liter), nicht jedoch Kaffee einzunehmen. Für 10 Tage erfolgt bei Erwachsenen eine „Ladephase“ mit 10 g Kreatinmonohydrat/Tag, verteilt auf 2 – 3 Tagesportionen, dann 4 g/Tag. Wegen der möglichen Verminderung des Transporters für Kreatin in der Muskelzelle wird alle drei Monate eine 2– bis 4wöchige Therapiepause empfohlen. Danach wird wiederum mit einer Ladephase begonnen. Am besten fragen Sie, sollten Sie die Einnahme von Kreatin planen, vorher Ihren Arzt, ob es in Ihrem speziellen Fall Bedenken gibt.
HMSN – andere Therapiemöglichkeiten:
Hauptprobleme sind in der Regel die muskuläre Schwäche und die Fußdeformitäten. Bewegungsfördernde Krankengymnastik mit besonderem Blick auf die geschwächten Muskelgruppen stellt das Zentrum der Therapie dar. Bei rascher fortschreitenden neuromuskulären Erkrankungen ist das Risiko einer verstärkten Schwäche durch zu intensives Training groß, diese Gefahr ist bei den HMSN weniger groß, aber insbesondere in den rumpffernen Muskelgruppen auch nicht außer Acht zu lassen. Das Training sollte grundsätzlich mehr mit dem Ziel der Funktionsbesserung, nicht mit dem Ziel der Kräftigung erfolgen. Generell sollten Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen angehalten werden, nicht bis zur Erschöpfung zu trainieren. Sie sollten über die Warnzeichen einer Überbelastung informiert werden. Hierzu gehören ein Schwächegefühl innerhalb von 30 Minuten nach der Übung oder Muskelschmerzen 24 bis 48 Stunden nach dem Training oder auch Muskelkrämpfe und Schweregefühl von Armen und Beinen.
Durch ein Training mit leichter bis mäßiger aerober Belastung wie Gehen, Schwimmen und Fahren auf dem Ergometer ist zudem eine allgemeine Verbesserung der muskulären Ausdauer und der Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems und damit eine Minderung einer allgemeinen Schwäche zu erreichen. Das Training erreicht nicht nur eine Besserung der körperlichen Leistungsfähigkeit, sondern trägt auch bei, das ideale Körpergewicht zu halten, Schmerzen durch Fehlbelastungen zu mindern und depressive Verstimmungen zu bessern.
Durch regelmäßiges Dehnen kann den Veränderungen der Gelenke entgegengewirkt werden. Der Patient sollte unter regelmäßiger Kontrolle durch die Physiotherapeuten auch ein Eigenübungsprogramm lernen, welches er selbständig regelmäßig fortführt.
Ergänzend können bei Verspannungen Wärmeanwendungen wie Infrarot-Kabine, heiße Rolle, Überwärmungsbäder, verschiedene Arten von Massagen, Elektrotherapie in Form von Stangerbad, Vierzellenbäder, TENS etc. zum Einsatz kommen. In unserer Klinik wird zur Lockerung der Muskulatur besonders die Infrarot-Kabine von den Patienten mit HMSN neben der Krankengymnastik sehr geschätzt.
Krankheitsverarbeitung
Oft werden bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen depressive Störungen beobachtet. Ursache ist oft die Verarbeitung der Erkrankung, oft sind es aber auch Probleme der sozialen Integration und des Erhalts des Arbeitsplatzes.
Selbsthilfegruppen können hier ganz wichtige Hilfestellungen geben, die Teilnahme an Selbsthilfegruppen ist den Patienten sehr zu empfehlen. In Deutschland ist die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM, www.dgm.org) in vielen Regionen sehr aktiv. Mitglieder der Gruppen geben auch Hilfestellungen beim Lösen sozialer Probleme oder bei der Beratung bzgl. Hilfsmitteln.
Die psychologische Betreuung ist ein weiterer wichtiger Teil der Rehabilitation. Auch hier kann eine bedeutsame Unterstützung über die stationäre Behandlung hinaus gegeben werden.
Hilfsmittel bei HMSN
Eine Reihe von Hilfsmittel können die Bewältigung der Beeinträchtigungen durch die Krankheit erleichtern oder erst ermöglichen. Hierzu können je nach Schweregrad der Erkrankungen gehören Duschstuhl, Badewannen-Lifter, Toilettensitzerhöhungen, aber auch Rollstühle, Krankenbett, oder kleine Hilfen wie Greifzangen. Das Ausprobieren und die Versorgung mit Hilfsmitteln sind eine Domäne der Ergotherapie.
HMSN: Weitere Therapieoptionen
Das Verständnis für die molekulare Basis vieler neuromuskulärer Erkrankungen hat die diagnostische Genauigkeit erhöht und mag die Basis für gezielte therapeutische Maßnahmen bringen. Es gibt vielversprechende Ideen, das Erbgut, die DNA (Desoxyribonukleinsäure), zu „reparieren“, beispielsweise ein fehlendes Gen einzufügen. Vielleicht kann damit eines Tages das Fortschreiten einer Erkrankung aufgehoben oder sogar eine Erkrankung geheilt werden. Heute ist auf diesem Wege jedoch noch keine Behandlung absehbar.
HMSN: Sozialmedizinische Aspekte
Hierbei können verschiedene Aspekte zur Sprache kommen. Gilt es zum Beispiel den Arbeitsplatz zu retten, kann das Beantragen einer der Behinderung angepassten Arbeitsplatzeinrichtung wie evtl. auch die Vereinbarung zusätzlicher Pausen wichtige Unterstützung bringen. Die Sozialarbeiter können bei diesen Problemen beraten und unterstützen. Sie wissen, welche Kostenträger hierfür anzufragen sind. Auch die Beratung mit der Frage der (Teil-) Berentung kann wichtige Hilfestellungen geben. Bei schwerer betroffenen Personen müssen die Leistungen nach dem Pflegegesetz oder dem Schwerbehindertengesetz bekannt sein.
HMSN: Stationäre Behandlungsmaßnahmen (Rehabilitation)
Regelmäßige ambulante Behandlungen sind in der Regel erforderlich, um Fähigkeiten kontinuierlich auf einem möglichst stabilen Niveau zu erhalten. Um latent vorhandene Fähigkeiten und muskuläre Funktionen zu verbessern, den Verlauf damit günstig zu beeinflussen, ist die stationäre Rehabilitation notwendig. Sie sollte in regelmäßigen Abständen erfolgen. Wenn die Erkrankung durch Verschlechterung von Funktionen es erfordert, kann sie in verkürzten Abständen erfolgen, beispielsweise jährlich. Mit einem entsprechenden Antrag durch den Hausarzt oder betreuenden Neurologen wenden Sie sich an den zuständigen Kostenträger. Für Berufstätige ist der zuständige Kostenträger der Rentenversicherungsträger, also BfA oder LVA. Geht es bei der Reha-Maßnahme nicht um den Erhalt der Arbeitsfähigkeit, ist in der Regel die Krankenkasse anzusprechen.
Neuromuskuläre Erkrankungen sind selten. Deshalb ist es wichtig ist, dass die Behandlung in einer Rehabilitationsklinik stattfindet, die in der Behandlung neuromuskulärer Krankheitsbilder versiert ist. Es ist erforderlich, dass die Therapeuten regelmäßig Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen behandeln. Intensität und Art der Behandlung unterscheiden sich deutlich von der Behandlung anderer neurologischer Erkrankungen. Die Neurologische Abteilung der Klinik Hoher Meissner hat in den letzten Jahren konsequent den Schwerpunkt der Behandlung neuromuskulärer Krankheiten aufgebaut. Unser Behandlungsprogramm umfasst je nach den individuellen Erfordernissen unter anderem die Bereiche Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie, Psychologie, Wärmetherapie und Massage. Wichtiger Bestandteil ist auch die spezielle Gesprächsrunde für Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen. Austausch über den Umgang mit den Erkrankungen und Krankheitsverarbeitung sind wichtige Inhalte der Gesprächsrunde. Vierzehntägig findet ein spezielles ärztlich geleitetes Seminar statt, in dem unter anderem aktuelle Informationen über Therapien berichtet werden, die sich in der wissenschaftlichen Entwicklung befinden oder aktuell diskutiert werden. Hier besteht neben dem Einzelgespräch die Möglichkeit, viele Fragen über die jeweiligen Erkrankungen beantwortet zu bekommen.
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Sport und Bewegung bei
neuromuskulären Erkrankungen
und
Hilfsmittel für
Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen
Mit
den besten Wünschen, insbesondere für Ihre Gesundheit
Chefarzt
der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke
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Amyotrophe Lateralsklerose bis zur
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