CMTX
Hereditäre
motorische und sensorische Neuropathie (HMSN),
X-chromosomal vererbt
Neurale Muskelatrophie (Charcot,
Marie, Tooth),
Die hereditären motorischen und sensorischen Neuropathien (HMSN) gehören zu dem Kreis der sogenannten neuromuskulären Erkrankungen. Die HMSN-Erkrankungen spielen sich an den Nervenfasern ab, die Ausläufer der motorischen Nervenzellen im Rückenmark darstellen und bis zu den Muskeln ziehen (s. auch die schematische Übersicht in www.muskelkrankheit.de und www.h-m-s-n.de ). Typischerweise sind die Symptome geringer ausgeprägt im Bereich der Nervenfasern, die die Sensibilität (Gefühlsempfinden) von der Haut bis zum Rückenmark bzw. zum Hirnstamm weiterleiten.
Die
Bezeichnung „Neurale Muskelatrophie“ wird auf Johann Hoffmann zurückgeführt,
der in einem Beitrag aus dem Jahre 1889 von der „progressiven
neurotischen Muskelatrophie“ sprach. Im angloamerikanischen Sprachraum
sind die Ausdrücke „peronäale Muskelatrophie“ als Vorschlag von
Howard Henry Tooth (1886) und Charcot-Marie Tooth disease unter Berücksichtigung
der beiden Publikationen von Charcot und Marie einerseits und Tooth
andererseits aus dem Jahre 1886 üblich. In den 50er Jahren des
vergangenen Jahrhunderts gelang es durch
Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen zwei Formen dieser vermeintlich
einheitlichen neuralen Muskelatrophien zu unterscheiden. Inzwischen hat
aber die von Dyck (1984) erarbeitete Systematik, die mehrere Typen
unterscheidet, weite Verbreitung gefunden. Er teilte die Neuralen
Muskelatrophien in verschiedene Gruppen von „hereditary motor and
sensory neuropathies“ ein, kurz HMSN ein.
Auch
durch die Vererbung lassen sich verschiedene Formen unterscheiden. Die
Erkrankungen werden vorwiegend autosomal dominant, aber einige auch autosomal
rezessiv vererbt. Eine besondere Vererbungsform der HMSN ist die
X-chromosomale. Über die Besonderheiten dieser Erkrankungsform soll im
folgenden zusammenfassend berichtet werden.
Gerade
in den Arbeiten der Humangenetiker wird statt HMSN in der Regel CMT (für
Charcot-Marie-Tooth disease) als Kürzel verwendet. CMTX steht dann für
X-chromosomal vererbte Formen der HMSN.
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Vater ->
Mutter
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X |
Y |
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X |
XX |
XY |
|
X |
XX |
XY |
Das Risiko für Jungen, zu erkranken beträgt 50%,
das Risiko für Mädchen, Konduktorin, also Überträgerin, zu sein, eventuell aber auch Zeichen der Krankheit auszuweisen, beträgt 50%.
Für die einzelnen X-chromosomal vererbten Erkrankungen sind hier aber Besonderheiten zu beachten, so dass dieses Schema keine humangenetische Beratung ersetzen kann und soll!
Heute werden drei Varianten der HMSN angenommen, die
X-chromosomal vererbt werden:
Genort:
CMTX1
Xq13
CMTX2
Xp22.2
(1 Familie bisher beschrieben)
CMTX3
Xq26
(2 Familien bisher beschrieben)
Dabei bedeutet Xq13, dass der Genort auf dem X-Chromosom liegt, dort sich auf dem langen Arm (= q; kurzer Arm = p) befindet, und die Zahlen hinter den Buchstaben geben eine Kartierung des jeweiligen Armes an.
Auf dem Genort Xq13 wird ein Eiweiß (Connexin 32, Cx32) kodiert, das an Verbindungen zwischen Teilen des Nervensystems, den sogenannten Schwann-Zellen und Oligodendrozyten, vorkommt
3.
HMSN, X-chromosomal vererbt (CMTX) - das Krankheitsbild
Da die
X-chromosomal vererbte Form der HMSN sehr selten ist werden immer nur
einzelne Familien beschrieben, keine großen Patientengruppen wie
beispielsweise für die HMSN Typ1 (s. www.h-m-s-n.de).
Dadurch ist auch die spezielle Symptomatik nicht so gut und umfassend
beschrieben wie bei den häufigeren Formen.
Bei der
CMTX1 sind Männer generell schwerer betroffen als Frauen, die selbst
nur leicht bis mäßig erkrankt sind. Aber auch einzelne schwer
betroffene Frauen wurden beschrieben. Die Erkrankung begann jeweils in
der frühen Kindheit mit Hohlfüßen und Schwächen der Fußhebermuskulatur,
ebenfalls der kleinen Handmuskulatur sowie Gefühlsstörungen. In
Einzelfällen wurden Hörstörungen beschrieben.
Bei der
Elektroneurographie (Nervenleitgeschwindigkeitsmessung) fanden sich
verminderte Leitgeschwindigkeiten als Zeichen einer Schädigung der
Markscheiden, also der Isolierung der Nervenfasern, sowie Zeichen eines
Untergangs von Nervenfasern. Ein Verlust an Nervenfasern wurde auch
durch Nervenbiopsien belegt.
Es gibt auch wenige Berichte,
die über eine Einbeziehung
des Gehirns berichteten.
Bei
diesen wenigen Einzelberichten scheint es sich aber um Ausnahmen zu
handeln.
Dieses Krankheitsbild ist also durch die ärztliche Untersuchung des Patienten nicht von den anderen Formen der HMSN abzugrenzen.
Eine
Zusammenstellung der Literatur zur CMTX1 ist unter www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/dispomim.cgi?id=302800
in englischer Sprache zu finden.
CMTX2 wurde erst Anfang der 90er Jahre bei 1 Familie beschrieben, ebenfalls mit Beginn in der Kindheit, Schwäche und Verschmächtigung der Unterschenkelmuskeln sowie Hohlfüßen
CMTX3 wurde bei 2 Familien ebenfalls Anfang der 90er Jahre beschrieben. In einer der Familien wurde ein Beginn im Alter von 10 bis 14 Jahren mit Schwächen der Unterschenkelmuskulatur und Gefühlsstörungen an den Füßen beschrieben, bei der anderen Familie auch spastische Lähmungen der Beine. Auch bei diesen Formen waren die Konduktorinnen (Überträgerinnen) nicht betroffen.
Informieren Sie sich auch zu den Themen Sport und Bewegung bei neuromuskulären Erkrankungen und Hilfsmittel für Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen
Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke seit 1990
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von
Amyotrophe Lateralsklerose bis zur
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